Der verspätete „Labbadia-Effekt“ – Bruno und das verflixte zweite Halbjahr

Nach dem desolaten 0:3 gegen die bisher auch nicht gut gestartete TSG aus Hoffenheim findet sich der VFB Stuttgart endgültig im Tabellenkeller wieder. Nun stellt sich die Frage, warum das Team von Bruno Labbadia so schlecht in die Saison gestartet ist. Natürlich hat der VFB in der letzten Transferperiode mit Delpierre, Boulahrouz, Schieber, Gebhart und Celozzi einige Spieler abgegeben, doch mit einem solchen Einbruch war eigentlich nicht zu rechnen. In einem heute auf Kicker.de veröffentlichen Artikel

„Der VFB ist nicht mehr jung und wild“

wird angeprangert, dass der VfB nicht auf die eigene Jugend setzt – dem eigentlichen Leitbild des Vereins – und das, obwohl gerade die jungen Spieler bei ihren Einsätzen bisher noch mit zu den besten Akteuren der Schwaben gehört haben. Ist es der fehlende Mut auf die eigene Jugend zu setzen ? Oder ist es wirklich der sagenumwobene „Labbadia-Effekt“ der diesmal einfach ein Jahr später eintritt ? social-soccer.de geht dem Labbadia Effekt heute statistisch auf den Grund.

Labbadia erst Top dann Flop

Bereits im Januar diesen Jahres geisterte der Begriff „Labbadia-Effekt“ wieder durch die Medienwelt. Damals mit nur 4 Punkten Abstand auf den Relegationsplatz titelte die Welt „Labbadia-Effekt setzt auch beim VfB Stuttgart ein“ – mit 31 Punkten aus den letzten 15 Spielen legte Labbadia und der VfB allerdings einen eindrucksvollen Schlussspurt hin, der sogar in einem Platz für die Europa-League-Qualifikation mündete. Geprägt wurde der Begriff bei seinen zwei Stationen vor seinem Engagement in Stuttgart. Sowohl in Leverkusen als auch in Hamburg startete Labbadia furios um genauso schnell in der Rückrunde wieder abzustürzen.

Labbadia-Effekt Teil I – Bayer 04 Leverkusen Saison 2008 / 2009

Mit viel Vorschusslorbeeren aus Fürth zum Werksverein geholt, startete Labbadia mit 32 Punkten und 1,88 Punkten je Spiel mit einer sehr erfolgreichen Hinrunde. Mit nur drei Punkten und vier Toren Abstand zum Sensations-Herbstmeister aus Hoffenheim beendete Bayer 04 die Hinrunde auf Euro-League Platz 5 und durfte nach 10 Siegen aus 17 Spielen sogar von einer Teilnahme in der Championsleague träumen. Doch was folgte ist bekannt – lediglich vier Siege konnte Bayer in der Rückrunde verzeichnen und beendete die Saison mit einem enttäuschenden 9 Platz. Aus drei Punkten Vorsprung zu einem Platz ohne Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb wurden 12 Punkte Abstand zum Euro-League Platz. Labbadia sammelte durchschnittlich nur noch einen mageren Punkt je Spielund durfte am Ende der Saison seinen Hut nehmen. Während seiner gesamten Amtszeit bei Bayer 04 erzielte er einen Punkteschnitt von 1,44 je Spiel .

Labbadia-Effekt-teil1-Bayer-Leverkusen

Der Labbadia Effekt Teil 1

Labbadia-Effekt Teil II – Hamburger SV Saison 2009 / 2010

Mit den üblichen Floskeln wurde Bruno Labbadia nach dem Abtritt von Martin Jol im Juni 2009 beim Hamburger SV vorgestellt. Man wolle langfristig und kontinuierlich mit Bruno Labbadia zusammenarbeiten, so äußerte sich der damalige Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer. „Erfolgreich und offensiv“ werde der HSV wieder die ersten fünf Plätze angreifen, dass Labbadia nicht einmal die erste Saison beim Hamburger SV zuende führen würde, war damals noch niemandem bewusst. Zu den Zahlen: Die Hinrunde beendete Bruno Labbadia mit dem HSV auf Platz 4 mit 31 Punkten was stolze 1,82 Punkte pro Spiel bedeutet- wir erinnern uns: bei Leverkusen waren es 32 Punkte und Rang 5 (1,88 Punkte pro Spiel). Ein typischer Labbadia Start ?! Die Rückrunde wurde eine typische Labbadia Rückrunde… Aus 15 Spielen holte der Trainer 17 Punkte und musste bereits nach dem 32. Spieltag (5:1 Niederlage in Hoffenheim) seinen Stuhl räumen (1,13 Punkte pro Spiel). Führ ihn übernahm Ricardo Moniz und der führte mit vier Punkten in zwei Spielen den HSV noch auf Rang 7 ins Ziel.

Labbadia-Effekt-teil2-HamburgerSV

Labbadia-Effekt-teil2-HamburgerSV

Ist das schon die Geburtsstunde des Labbadia-Effekts? – schließlich ist dieses Phänomen ja bereits in Leverkusen aufgetreten…

Der etwas andere Labbadia-Effekt (Teil III) – VfB Stuttgart Rückrunde 1010/2011 – Hinrunde 2011/2012

Jetzt wird es verrückt & kompliziert. Nicht in der Hinrunde 10/11 startete Labbadia – nein erst zur Rückrunde 10/11, also nach über 6 Monaten Pause – kehrte Labbadia wieder auf den Trainerstuhl zurück – sein Ziel diesmal: VfB Stuttgart. Doch einen Trainer wie Bruno Labbadia ist es egal ob Hin- oder Rückrunde – sofort Gas geben ist die Marschroute! So erbeutete Labbadia in der Rückrunde 2011 sagenhafte 30 Punkte in 17 Spielen (1,76 Punkte je Spiel) und bewahrte den VfB vor einem möglichen Abstieg (Saisonplatz 17 nach der Hinrunde). Was folgt auf eine erfolgreiche Halbserie ?! Eine weniger erfolgreiche… die Hinrunde 2012 entwickelte sich zu einer typischen „Labbadia-Rückserie“ 17 Spiele und 22 Punkte (5 Punkte mehr als bei seinen Stationen davor) unter dem Strich stand allerdings ein Punkteschnitt von 1,29und ein enttäuschtes Stuttgart. Doch da der Trainer in der Vorsaison noch erfolgreich den Abstieg hat abwenden können, verzieh man Bruno Labbadia die reichlich durchwachsene Hinrunde 2011/2012.

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VfB Teil II – Labbadia-Effekt Teil IV ? – VfB Stuttgart Rückrunde 2011/2012 – Hinrunde 2012/2013

Langsam wurde es Zeit, dass der Begriff „Labbadia-Effekt“ das erste mal in den Medien (Welt.de) auftauchte. Und nicht wie bisher positiv sondern negativ zu Beginn der Rückrunde 2011/2012. Was „die Welt“ aber nicht wusste – wissen wir heute. Schließlich begann ja offiziell ein neues Labbadia Halbjahr – und was passiert in einem neuem Labbadia Halbjahr??? Lassen wir die Zahlen sprechen: 31 Punkte – 8 Siege allein aus den letzten 12 Spielen und ein Rückrundenschnitt von 1,82 Punkten. So konnte der Hinrundenplatz 8 durch einen Rückrundenplatz drei noch zu einer finalen Platzierung von Platz 6 umgebogen werden. Somit startet der VfB auch in dieser Saison (2012/2013) wieder in Europa.
Jetzt ist die Saison 2012/2013 bereits 5 Spieltage alt und der VfB hat magere zwei Punkte erreicht. Und schon geistern die ersten Rauswurf-Gerüchte durch die Gazetten. Die BZ titelte heute 27.09.2012 um 18:46:

Labbadia ratlos und kurz vor dem Rauswurf

Gehen wir von einem typischen zweiten Labbadia Halbjahr aus können wir etwa mit einem Punkteschnitt von 1,14 (1 pkt in leverkusen(17 Spiele), 1,13 in Hamburg(15 Spiele), 1,24 im ersten VfB Jahr(17 Spiele)) je Spiel ausgehen – zum Ende der Hinrunde 2012/2013 würden somit 19 Punktefür den VFB zu Buche stehen.

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Darf er oder darf er nicht ?

Ob Bruno Labbadia die Hinrunde 2012/2013 noch zu Ende bringen wird, weiß wohl nur der Sportdirektor des VfB Fredi Bobic. Der äußerte sich zu Bild.de:

„Es gibt nicht ansatzweise eine Diskussion.“

Als gute Entscheidungsgrundlage für Ihn habe ich noch einmal die Erfolgswerte von Bruno Labbadia in seinen bisherigen Stationen zusammengefasst:

Der-Labbadia-Effekt-Zusammenfassung

Der-Labbadia-Effekt-Zusammenfassung

Ein ziemlich beeindruckendes Bild. Gibt es den Labbadia Effekt also wirklich ? Und wie lange darf Labbadia noch beim VfB bleiben?! Eins ist sicher: Sollte Labbadia auch die Rückrunde beim VfB angehen dürfen – können wir von mindestens 30 Punkten ausgehen… 49 Punkte haben letzte Saison übrigens für die Europa-League-Quali gereicht.


Für alle die gar nicht genug von mir bekommen:
Der Labbadia Effekt auf Facebook
und der Labbadia Effekt bei Twitter

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